27 May 2019
May 27, 2019

Equines Metabolisches Syndrom

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Ursache

Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine häufige Hormonstörung bei Pferden und Ponies. Sie zeigt Ähnlichkeiten zu einem Diabetes-Typ-2 bei Menschen. Bei erkrankten Tieren liegt eine Störung des Insulin- und Zuckerstoffwechsels vor, sodass betroffene Tiere einen erhöhten Insulinspiegel im Blut aufweisen. Ursache hierfür ist ein zu reichhaltiges Futterangebot und zu wenig Bewegung. Die Erkrankung wird auch als eine Zivilisationskrankheit der Pferde bezeichnet. Am häufigsten sind leichtfuttrige Pferde und Ponies betroffen.

Symptome

EMS geht häufig mit Übergewicht und auffälligen Fettpolstern einher. Die typischen Fettpolster liegen am Mähnenkamm, an der Schulter, am Schweifansatz, an der Kruppe und/oder am Euter/Schlauch. Eine große Gefahr dieser Hormonstörung stellt die Hufrehe dar. Die hormonelle Entgleisung betroffener Pferde kann den Trageapparat der Hufe schädigen und so eine Rehe auslösen. Solche hormonell ausgelösten Hufrehen können sehr schleichend verlaufen und für einen langen Zeitraum nur durch milde Symptome wie ein klammer Gang oder divergierende Hornringe an den Hufen auffallen. Weitere Symptome eines EMS können Zyklusstörungen, vermehrtes Trinken mit vermehrtem Urinabsatz und Heißhunger sein.

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose kann auf Grund der genannten Symptome gestellt werden. Eine sichere Diagnose ist nur über eine Blutuntersuchung möglich. Hier wird zunächst der basale Insulinwert überprüft, ist dieser erhöht steht die Diagnose EMS fest. Ist der Wert im Normbereich oder grenzwertig kann ein dynamischer Test angeschlossen werden. Hierbei wird die Insulinantwort auf die Gabe von Zucker überprüft. Bei der Untersuchung auf EMS sollte immer auch zusätzlich eine Blutuntersuchung auf ein Equines Cushing Syndrom/PPID durchgeführt werden. Die beiden Erkrankungen können sehr ähnliche Symptome zeigen und können durchaus zusammen auftreten.

Therapie

Es gibt bislang keine medikamentelle Therapie für EMS. Die Behandlung der Erkrankung besteht daher aus der konsequenten Gewichtsreduktion des Pferdes. Hierbei sind zum einen eine energie- und kohlenhydratarme Diät und zum anderen ein intensives Bewegungsprogramm notwendig. Es ist sehr wichtig durch regelmäßige Gewichtskontrollen den Erfolg der getroffenen Maßnahmen zu überprüfen. Pferde, die zusätzlich noch unter einem Equinen Cushing Syndrom/PPID leiden, sollten unbedingt medikamentell behandelt werden.

Fütterung

Die Fütterung sollte ausschließlich aus Heu bestehen, kein Hafer, Müsli oder ähnliches Krippenfutter. Die Heuration muss nach dem Zielgewicht des Pferdes berechnet werden und sollte 1,4kg bis 1,7kg je 100kg Körpergewicht betragen. Durch Wässern des Heus für 1-2 Stunden können wasserlösliche Kohlenhydrate ausgewaschen werden. Des Weiteren können bis zu 30% der täglichen Ration durch Stroh ersetzt werden. Dieses sollte jedoch in einem Heu-Stroh-Gemisch gefüttert werden, da es so deutlich besser verdaulich ist. Die Fütterung sollte über mehrere Portionen am Tag verteilt werden. Um die Fresszeit zu verlängern kann das Heu aus einem engmaschigen Heunetz gefüttert werden.

Durch diese konsequente Diät kann es zu einem Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren kommen. Deshalb ist es sehr wichtig, Pferden auf Diät ein adäquates Mineralfutter und eine Proteinzulage (Luzerne oder getrocknete Bierhefe) zur Vorbeugung solcher Mängel zuzufüttern. Die Firma Boehringer Ingelheim hat mit Nutraxin einen speziellen Riegel für Pferde auf Reduktionsdiät entwickelt, welcher diesen möglichen Mängeln vorbeugt. Der Riegel enthält außerdem kurzkettige Fructo-Oligosaccharide (scFOS), welche zum einen die physiologische Darmflora unterstützen und zum anderen helfen die Insulinsensitivität zu verbessern.

Bewegung

Das Bewegungsprogramm muss auf den jeweiligen Gesundheits- und Trainingszustand des Pferdes angepasst werden. Das Training muss langsam gesteigert werden, sodass es die Tiere nicht überfordert. Pferde ohne Hufrehe sollten nach dem Antrainieren mindestens 5x die Woche für 30 Minuten leichte bis mittlere Arbeit im Trab und Galopp leisten (mit einer Herzfrequenz von etwa 150 Schlägen die Minute). Bei Pferden mit vorangegangener Hufrehe sollte mit dem Training erst nach ausreichender Ausheilung begonnen und nur sehr langsam gesteigert werden. Nach dem Antrainieren sollten sie mindestens 3x die Woche leichte Arbeit leisten, wenn möglich im Trab und Galopp (mit einer Herzfrequenz von etwa 130 Schlägen die Minute). Die tägliche Bewegung kann auch über eine Änderung der Haltung des Pferdes gesteigert werden, zum Beispiel über Gruppenhaltung, einen Paddocktrail oder die Haltung in einem Aktivstall.