Kaufuntersuchungen

Wir führen jährlich eine große Anzahl von Kaufuntersuchungen für Pferde jeglicher Preiskategorien durch. Wir machen dies mit großer Sorgfalt, um den Gesundheitszustand des Pferdes zum Zeitpunkt der Untersuchung festzustellen.

Die so genannte „kleine“ und „große“ Kaufuntersuchung gibt es im tiermedizinischen Sinne nicht. Über den Umfang der Untersuchung beraten wir Sie gerne.

1. DIE „ANKAUFSUNTERSUCHUNG“

Bei der Kaufuntersuchung unterscheiden wir zwischen dem klinischen Untersuchungsgang und weiteren diagnostischen Verfahren, wie Röntgen, Ultraschall, Endoskopie, Labor etc.. Diese Untersuchungen dienen der Feststellung gesundheitlicher Beeinträchtigungen zum Untersuchungszeitpunkt. Bei dieser Vorgehensweise geht es um die eingehende und gewissenhafte Untersuchung im Rahmen der Möglichkeiten. Wir weisen darauf hin, dass verdeckte oder in dieser Untersuchung nicht auffindbare Mängel evtl. auch trotz einer sorgfältigen und den tierärztlichen Gepflogenheiten entsprechenden Untersuchung nicht festgestellt werden können. Es gibt zum Beispiel Erkrankungen oder anatomische Veränderungen, die selbst im Rahmen einer intensiven Untersuchung nicht erkennbar sind und deshalb nicht festgestellt werden können (Beispiele: Koppen, Weben, Allergien, chronische allergische Bronchitis, etc.). Die Intensivierung der Untersuchungen und das Heranziehen von diagnostischen Hilfsmitteln reduziert dieses Risiko, aber löst es nicht vollkommen auf. Und bitte bedenken Sie: Auch das Pferd bleibt ein Lebewesen, das erkranken und sich verändern kann wie wir Menschen auch.

2. AUFKLÄRUNG DURCH DEN VERKÄUFER

Einen Teil der Informationen einer Kaufuntersuchung, insbesondere Vorkommnisse in der Vergangenheit, kann der Tierarzt nur mit Hilfe des Verkäufers bekommen. Daher sind seine Angaben von hoher Bedeutung. Fehlerhafte, fehlende oder falsche Informationen können dazu führen, dass der untersuchende Tierarzt nicht alle gesundheitlichen Beeinträchtigungen finden kann bzw. Befunde falsch interpretiert. Aus diesem Grund erscheint auch im Untersuchungsprotokoll ein Fragebogen, der vom Verkäufer auszufüllen und zu unterschreiben ist. Nur mit diesen Angaben ist eine korrekte Untersuchung möglich. Der Auftraggeber bzw. Käufer sollte dafür Sorge tragen, dass diese Informationen der Vorgeschichte des Pferdes zum Zeitpunkt der Untersuchung in verlässlicher Form vorliegen.

3. EINZELNE TEILE DER UNTERSUCHUNG

– Klinische Untersuchung

Der klinische Untersuchungsgang widmet sich dem ganzen Pferd und soll helfen, einen Überblick über die augenblickliche gesundheitliche Beschaffenheit des Pferdes zu erlangen. Dabei werden der Bewegungsapparat, Herz-Kreislaufapparat, Augen, Haut etc. untersucht. Auf Wunsch können Sie gerne das umfassende Untersuchungsformular einsehen. Dieses wird Ihnen als Auftraggeber nach der Untersuchung und Begleichung der Untersuchungskosten auch ausgefüllt ausgehändigt. Trotz der eingehenden klinischen Untersuchung können verborgene innere Erkrankungen nicht in jedem Fall festgestellt werden.

– Röntgen

Röntgenbilder helfen dem Tierarzt klinische Befunde genauer zu interpretieren und einen Überblick über die abgebildeten Knochen zu erlangen. Dabei ist die Information für den Tierarzt sehr wichtig, aber leider ist ein gutes Röntgenbild keine Garantie für die Zukunft der Leistungsfähigkeit des Pferdes. Des weiteren ist zu beachten, dass man nur die Bereiche beurteilen kann, die man geröntgt hat und die restlichen Anteile nicht. Das bezieht sich auch auf die Anzahl der Bilder, die man z.B. von einem Gelenk macht. Fertigt man nur eine Abbildung eines Gelenkes als so genannte Übersichtsaufnahme an, hat der Tierarzt natürlich deutlich weniger Informationen, als bei vier verschiedenen Winkeln desselben Objektes. Dennoch hat der Tierarzt mit jedem Bild mehr Informationen als ohne eine Röntgenaufnahme. Wir setzen in unserer Praxis die hochmoderne digitale Röntgentechnik ein um möglichst aussagekräftige Bilder zu bekommen. Im Anschluss finden Sie eine Aufstellung von Röntgenaufnahmen, aus denen Sie sich im Untersuchungsprotokoll Ihr persönliches Röntgenprofil auswählen können.
Zur Erläuterung: In Deutschland existiert ein so genannter Röntgenleitfaden. Die Anwendung des Protokolls ist bei Pferdetierärzten umstritten und die Anwendung freiwillig. Wir wenden dieses Protokoll bei der Beurteilung der Röntgenbilder nur in Anlehnung an, da dieses Protokoll zur Zeit aus unserer Sicht nicht den Erfordernissen zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines Pferdes ausreichend gerecht wird. Der Röntgenleitfaden wichtet die Röntgenbefunde in einem breiten Bereich ohne ausreichend das Pferd als Ganzes mit zu beachten und lässt dabei den Tierärzten einen so großen Spielraum, dass bei zwei verschiedenen Tierärzten ganz unterschiedliche Ergebnisse entstehen können. Stattdessen listen wir alle klinisch relevanten Befunde auf.

– Endoskopie der Atemwege

Endoskopische Untersuchungen oder das so genannte „Spiegeln“ werden durchgeführt um weitere Informationen über den Kehlkopf, die Luftröhre und die Lungenaufgabelung der Bronchien zu erhalten. Es ist zu beachten, dass beim Abhören der Lunge vor und nach Belastung leichte akute und leichte chronische Veränderungen evtl. nicht festgestellt werden können. Auch die Erkrankung des Kehlkopfes wie z.B. das „Kehlkopfpfeifen“ können mit Hilfe der Endoskopie genauer diagnostiziert werden.

– Ultraschall

Die Ultraschall-Untersuchung wird zur Untersuchung einzelner Organe, wie z.B. der Weichteile (Sehnen, Bänder, Muskeln, etc.), Herz, Lunge, Gelenke etc. herangezogen. So können z.B. Sehnenschäden mit dieser Methode eindeutiger und in ihrem Ausmaß genauer diagnostiziert werden. Im Rahmen der Kaufuntersuchung wird eine Ultraschall-Untersuchung bei klarem Verdacht von Sehnenschäden der unteren Gliedmaßen vorgeschlagen oder auf besonderen Wunsch des Auftraggebers durchgeführt.

– „Doping-Untersuchung“

Bei der so genannten Doping-Untersuchung handelt es sich um eine Blutuntersuchung, die in einem Speziallabor durchgeführt werden muss. Bei dieser Untersuchung wird das Blut nach Maßgabe des Labors auf einige Entzündungshemmer (NSAIDs), Cortison und Beruhigungsmittel (Sedativa) untersucht. Diese Untersuchung dauert nach Eingang der Probe im Labor ca. 2 Wochen und kostet mind. 160.- EURO (reine Laborkosten). Um das Blut untersuchen zu können gibt es zwei verschiedene Verfahrensweisen:

1. Wenn das Blut direkt untersucht werden soll, kann ein so genanntes DOPING-Set aus dem Sport verwendet werden in dem eine A & B Probe aufbewahrt wird und direkt kostenpflichtig zum Labor geschickt wird.

2.Wenn das Blut aufgehoben und erst bei Bedarf untersucht werden soll, können die DOPING-Sets nicht verwendet werden. Hierbei wird das Blut nach der Entnahme so verarbeitet, dass später das Serum zum Labor geschickt wird. Alternativ zum direkten Versand, kann das Serum von uns eingefroren werden und dann zu einem späteren Zeitpunkt, falls ein Verdacht besteht, untersucht werden. Das eingefrorene Serum wird von uns auf Zeit nach der Abnahme aufgehoben.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Methode zu 1) in einer gerichtlichen Auseinandersetzung unstrittiger ist, aber i.d.R. Methode zu 2) angewandt wird. Eventuell sollten sich Verkäufer und Käufer wegen der sehr unterschiedlichen Kosten vorher auf eine Lösung einigen.

– Labor

Als Laboruntersuchungen stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die auf Wunsch in Anspruch genommen werden können. Beispielhaft sei erwähnt:
1. Blutuntersuchungen: großes Screening
2. Kotuntersuchungen:  Würmer, etc.
– Weitere zusätzliche Untersuchungen:
Es sind noch weitere ergänzende Untersuchungen möglich, wie eine gynäkologische oder andrologische Untersuchung zur weiteren Organuntersuchung, die Auskünfte über eine Verwendung in der Zucht geben können. Ein anderes Beispiel ist die rektale Untersuchung zur beschränkten Untersuchung innerer Organe im Bauch- und Beckenraum. Es sei auch auf die Vielzahl weiterer Untersuchungen hingewiesen, die theoretisch möglich wären, wie z.B. Szintigraphie, Computertomographie, MRI etc. Falls Sie diesbezüglich Fragen haben, sprechen Sie uns ruhig an!

4. RÖNTGENPROFILE

Im Rahmen der Kaufuntersuchung führen wir das Standard-Profil durch. Dieses Profil hat sich über die Jahre als Basis-Röntgenuntersuchung als sinnvoll erwiesen. Grundsätzlich ist die Anzahl wunschgemäß erweiterbar, aber inwiefern sich das Preis-/Leistungsverhältnis rechnet, müssen Sie als Auftraggeber entscheiden. Ergeben sich im Rahmen der Untersuchung deutliche Befunde, die es nötig erscheinen lassen, werden wir weitere Röntgenbilder vorschlagen. Falls Sie persönliche Wünsche haben, können Sie uns dies auf dem Anforderungsblatt des Untersuchungsprotokolls mitteilen.
Standard-Röntgenprofil

– „Zehe seitlich“, alle vier Gliedmassen:

Übersichtaufnahme zur Darstellung des Hufbeins, Hufgelenks, Kronbein, Krongelenks, Fesselbein, Fesselgelenks mit z.T. Gleichbeinen und unteres Ende Röhrbein in seitlicher Projektion.

– Strahlbein/„Hufrolle“ in Darstellung nach Oxspring vorne beidseits:

Klassische Darstellung des Strahlbeins von vorne nach hinten auf speziellem Klotz

– Sprunggelenke beidseits in Schrägaufnahme (ca. 45 – 70° & ca. 90 – 115°)

Darstellung des Sprunggelenkes und der kleinen Tarsalgelenke in Schrägdarstellung, sowie des Fesselträgerursprungsbereichs in der AP-Aufnahme
Weitere Aufnahmen:

– Skyline- Aufnahme des Strahlbeins/“Hufrolle“:

Spezielle Darstellung des Strahlbeins/Hufrolle von „Oben nach unten“ . Die Aufnahme gibt Einblicke auf die Gleitfläche des Strahlbeins. Es kommt auch vor, dass Strahlbeine in der klassischen Aufnahme gut aussehen, aber auf der „Skyline“ deutliche Probleme zu erkennen sind. Daher empfehlen wir diese Aufnahme besonders.

– Sprungelenk in seitlicher Darstellung:

Auf Grund der Komplexität des Sprunggelenkes wird empfohlen diesen weiteren Projektionswinkel zu verwenden.

– Rücken Dornfortsätze Brustwirbelsäule ab hinterer Widerrist bis zur Lendenwirbelsäule (BWS/LWS):

Darstellung der Dornfortsätze vom Widerrist bis zu den Lendenwirbeln. In der Regel können gute Röntgenqualitäten dargestellt werden. Bei besonders muskulösen oder adipösen Tieren kann die Darstellung der Dornfortsätze etwas eingeschränkt sein. Darstellung der Abstände zwischen den Dornfortsätzen und evtl. chronischen Veränderungen, wie z.B. KISSING SPINES.

– Kniegelenke seitlich:

Darstellung von Kniescheibe, Ober- unter Unterschenkelteilen in seitlicher Betrachtung

– Kniegelenke AP/Vorne – Hinten:

Aufnahme der Kniegelenke von vorne nach hinten mit Darstellung des Gelenkspaltes

– Fesselgelenke/Gleichbeine in schräger Darstellung:

Darstellung der Gelenkfläche und der Gleichbeine in Schrägdarstellung; mehr Auskünfte über die Gelenkfläche, Zustand der Gleichbeine, mögliche „Chips“/isolierte Verschattungen

– Fesselgelenke/Gleichbeine in AP/Vorne-Hinten Darstellung:

Darstellung des Gelenkspaltes und der seitlichen Begrenzung der beteiligten Knochen

– Sonstige Beispiele für mögliche Darstellungen:

Halswirbelsäule, Kopf, Schultergelenk, Ellbogengelenk, Vorderfusswurzel-/Karpalgelenk, Griffelbeine, etc.